Piccola Sicilia – Daniel Speck

„Piccola Sicilia“ von Daniel Speck habe ich gekauft ohne auch nur den Klappentext zu lesen. Sein erstes Buch, Bella Germania, hat mich damals tief bewegt. Ich habe geweint, gehofft, gefiebert. Giulietta hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Als ich im September dann „Piccola Sicilia“ in meiner Lieblingsbuchhandlung entdeckt habe, musste es natürlich sofort in mein Bücherregal ziehen – nur gelesen habe ich es nicht sofort. Das klingt vielleicht lächerlich, aber meine Erwartungen waren so hoch, dass sie eigentlich nur enttäuscht werden konnten!

Als ich mich nun endlich an dieses Buch gewagt habe, hat mich diese wundervolle, fast poetische Sprache, sofort wieder in ihren Bann gezogen.

Wieder hielt ich einen Familienroman in der Hand. Diesmal war es Nina, die nicht nur die Geschichte ihrer Familie, sondern auch sich selbst kennenlernte. Den Stein ins Rollen bringt die Nachricht, dass der Flieger, mit dem ihr Großvater während des zweiten Weltkriegs verschwunden ist, in der Nähe von Marsala gefunden wurde – eine Nachricht, die sie mitten in ihrer Scheidung ereilt.

In Italien trifft sie auf eine unbekannte Verwandte und erfährt nicht nur von ihrem verschollenen Großvater, sondern auch von der Familie Sarfati. Als jüdische Familie in Tunis lebten sie in dem multikulturellen Viertel Piccola Sicilia und erleben Solidarität, Unterstützung und Gemeinschaft vor, aber auch während und nach dem Schrecken der deutschen Besatzung.

Daniel Speck ist es gelungen unterschiedliche Schicksale stimmig zu verbinden. Jede Seite ist voller Emotionen und das ohne kitschig oder übertrieben zu werden. Die Charaktere sind authentisch rausgearbeitet und der Einblick in ihre Sorgen, Sehnsüchte und Erlebnisse zwingt zum Reflektieren. Ich bin fast froh, dass ich so lange gewartet habe um dieses Buch zu lesen. Jetzt, zum Jahreswechsel habe ich die nötige Ruhe um die Worte sacken zu lassen und mich auf die Fragen, die Nina sich stellt auch wirklich einzulassen.

Ich kann Daniel Speck nur für ein Buch danken, dass mir nicht nur wunderschöne Stunden, sondern auch die ein oder andere Erkenntnis beschert hat.

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