Erklär mir Italien – Roberto Saviano, Giovanni di Lorenzo

‚Erklär mir Italien‘ ist nicht mein erstes Buch, dass sich mit den Schattenseiten des italienischen Lebens, seiner Politik und/oder der Mafia befasst und trotzdem war es für mich voller Schockmomente. Immer wieder musste ich das Buch kurz zur Seite legen und über das nachdenken, was ich gerade gelesen habe. Ein Beispiel: Mir haben Freunde schon früher erzählt, dass sie als Kinder den Dealern bei der Arbeit zugeschaut haben. Jetzt zu lesen, dass manchmal auch Leichen zum normalen Straßenbild gehören, hat mich sehr mitgenommen.
Besonders begeistert hat mich, dass in diesem Buch nicht einseitig an Klischees festgehalten wird und Mut zum Wandel anerkannt wird. Mir, als jemandem , der Italien sehr liebt und auch von seinen schönen Seiten kennt, ist das sehr wichtig. Auch waren sich die beiden Autoren nicht immer einig, gerade wenn es darum ging, wie man es besser machen könnte. Das schafft Raum, nein, es zwingt den Leser, sich gedanklich selbst mir der jeweiligen Fragestellung zu beschäftigen. Klar, es ist einfacher eine gegebene Meinung zu übernehmen, aber wer nicht nachdenken will, der wird mit diesem Buch nicht glücklich und legt es wahrscheinlich schnell weg. An manchen Stellen konnte ich den Ausführungen von Roberto Saviano nicht ganz folgen, besonders als es um die Parteienwelt des letzten Jahrhunderts ging, aber das Gespräch wurde immer schnell in mir präsentere Bahnen zurückgelenkt. Giovanni di Lorenzo hat es so immer wieder geschafft, dass Buch nicht zu einem komplizierten Werk für Intellektuelle werden zu lassen, sondern es als Denkanstoß für alle Interessierte gestaltet.

Herr Di Lorenzo: nachdem ich leider die letzte Seite gelesen habe muss ich sagen: ich will mehr! Jedes Kapitel wäre ein eigenes Buch wert und ich hoffe, sie haben bereits mit dem nächsten Buch angefangen.

Für mich gibt es keine Zweifel, eindeutig 🥂🥂🥂🥂🥂

Schreibe einen Kommentar