Dottore, Pasta und Amore – Walter Cosimo Coriano

Welcher Kellner kennt diesen Moment nicht? Ein Glas Prosecco zum Feierabend, die Erzählung der Lieblingskollegin, von einem sehr seltsamen Gast und dann der Satz: ‚wir sollten das mal aufschreiben und ein Buch draus machen‘. Ich habe diesen Satz schon oft gehört und wahrscheinlich noch öfter gemacht. Als ich das Buch ‚Dottore, Pasta und Amore‘ von Walter Cosimo Coriano in den Händen hielt, da war ich begeistert! Endlich hatte es jemand durchgezogen! Gefreut habe ich mich auf eine lange Sammlung lustiger Anekdoten und vielleicht auch endlich einer sinnvollen Erklärung, warum ich diesen Beruf liebe.

Leider hat mich das Buch nicht fesseln können. Es beinhaltet verschiede Passagen, in denen ich mich wiedergefunden habe (Ich sage nur: die Trinkgeld-Aufrunder) aber sogar die haben mich nicht wirklich mitgenommen.

Walter Coriano gibt sich alle Mühe zu erklären, dass eine wirklich gute Bedienung mehr macht, als Gerichte von A nach B zu tragen und rational kommt das auch rüber ABER…. Ich fand viele Geschichten so übertrieben, dass sie für mich nicht mehr realistisch waren. Ein Beispiel: jeder, der mit viel Kundenkontakt arbeitet, kann wahrscheinlich Geschichten erzählen, dass er/sie sehr seltsame Angebote bekommen hat, bei denen man sich schon anstrengen muss um sie noch irgendwie als zweideutig zu interpretieren. Aber der Sprung von unangemessenen Angeboten zu Frauen, die nach Ladenschluss spontan anfangen zu strippen ist doch recht groß. Liegt es daran, dass ich eine Frau bin? Oder nicht in der Sternen-Gastronomie tätig? Ich weiß es nicht. Grundsätzlich bin ich sicher einfach zu vorbelastet an das Buch heran gegangen.

Wer das Gespräch mit Kollegen durch dieses Buch auch daheim fortsetzen will, riskiert ähnlich enttäuscht zu werden, wie ich es wurde. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass es eine empfehlenswerte Lektüre für alle ist, die im Familien- oder Freundeskreis jemanden haben, der seinen hochdatierten Job in der Wirtschaft hingeschmissen hat, um ‚nur noch‘ Kellner zu sein.

Schreibe einen Kommentar