Die Müllmafia – Sandro Mattioli, Andrea Palladino

Wie viel Beachtung sollte man einem Sachbuch von 2011 schenken, das sich mit einem äußerst dynamischen Thema befasst, nicht neuaufgelegt und somit nicht aktualisiert wurde? Sehr viel sage ich!

In den letzten Jahren ist eine große Anzahl an Büchern erschienen, die sich ganz allgemein mit den italienischen Mafien beschäftigen, aber mit dem Thema der illegalen Giftmüllentsorgung befassten sich bisher sehr wenige Autoren befasst. Aber warum? Ich selbst bin auf das Thema gekommen, als mir vor meinem ersten Besuch im kalabrischen Paola nahegelegt wurde nicht im Meer zu baden, da ich sonst mit Hautausschlägen rechnen müsste. Das wäre in letzter Zeit wohl öfter vorgekommen, wahrscheinlich als Folge von einem versenkten Giftmüllschiff. Ein freundlicher Tipp, ganz ohne Aufregung, Wut oder irgendeiner Reaktion die ich erwartet hätte.

Sandro Mattioli und Andrea Palladino machen deutlich, dass das Thema auch uns in Deutschland angeht. In vielen Regionen Italiens bezahlen die Bewohner bereits mit drastisch gestiegenen Krebsraten aber was wird passieren, wenn das Meer sich durch die versenkten Schiffe gefressen hat und die Giftstoffe freigesetzt werden? Der von der Mafia entsorgte Müll stammt nicht ausschließlich aus Italien, die Autoren nennen klare Beispiele von deutschen Firmen.

An manchen Stellen fiel es mir schwer den Autoren zu folgen. Aber das verwundert mich eigentlich nicht, denn jedes der angeführten Themen, von den versenkten Giftmüllschiffen, den italienischen Ermittlungen, der Müllentsorgung in Somalia etc. hätte ein eigenes Buch verdient.

Das Buch bringt interessante Fragen auf, arbeitet Ungereimtheiten heraus und sammelt Informationen zu einem Thema das trotz all seiner Dramatik zu wenig Beachtung findet.

Sollte je eine überarbeitete Neuauflage auf den Markt kommen, ich würde sie zweifelsfrei lesen. Bis dahin kann ich nur jedem dieses Buch ans Herz legen!

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