Basta, Amore – Sabine Thiesler

Eigentlich wollte ich das Buch direkt nach ein paar Seiten wieder weglegen. Sollte es sich nicht um ein witziges Buch über Italien – also ein Land das ich liebe, handeln? Stattdessen geht es damit los, dass die beiden Protagonisten froh sind, wieder nach Deutschland zu ziehen und dabei zurückblicken. Froh wieder nach Deutschland zu kommen? Gut, wenn ich ehrlich bin, dann bin ich schon zwei Mal wieder nach Deutschland zurückgezogen, ich sollte es eigentlich verstehen – aber momentan eben nicht. Also warten wir auf den Rückblick. Was ist das erste Problem? Sie geben einem „befreundeten“ Italiener die Bauleitung für den Umbau ihres Häuschens in Italien und lassen ihn machen, während sie in Deutschland sind. Ohne Worte. Dann geht es weiter mit Handwerkergeschichten – und ich muss gestehen, dass ich kurz etwas dankbar war, dass ich bisher keine Erfahrung mit richtigen Handwerkern gemacht habe, sondern nur mit dem Cousin von einem Freund von einem Freund oder so ähnlich, der in jeder Situation helfen kann.
In Kapitel 14 (italienische Momente) dann das erste wirkliche Kompliment an Italien, dass nicht sofort wieder widerlegt wird. Endlich! Aber keine Sorge, danach geht es weiter wie zuvor. Und ich kann nicht anders als immer und immer wieder feststellen, dass ich es sogar in Kalabrien deutlich besser hatte als die Autorin in der Toskana.
Wer Italien mag und das Buch bisher noch nicht weggelegt hat, wird sich spätestens dann in Rage lesen, wenn sie „den Italiener um die Ecke“ in Deutschland für besser hält, als das Essen, das man in Italien bekommt. Ich verstehe die Meinung, wenn man sich in Rom von einem „menu turistico“ und einer englischen Speisekarte mit „Spaghetti – the angry one“ anlocken lässt, aber wer der italienischen Sprache mächtig und sympathisch ist, der kann göttlich in Italien essen – auch und erst Recht in der Toskana. Nicht selten wurde mir eine nette ältere Dame rausgeschickt um mit mir auszudiskutieren, was sie frisch vom Markt bekommen hatte und wie sie die verschiedenen Gerichte anpassen könnte um die eine Zutat zu ersetzen, die ich leider nicht mochte. Und wenn man etwas gerne hätte, dass nicht auf der Karte steht? Fragen! Mit freundlichem Auftreten bekommt man in Italien fast alles. Auch habe ich sehr positive Erfahrungen damit gemacht für Italiener deutsche Gerichte zu kochen…Ja, Essen ist mein Thema und keins der anderen Themen hat mich so sauer gemacht wie dieses.
Egal womit sich die Autorin beschäftigt, die Negativerlebnisse finden kein Ende – kurzum, ich habe das Buch fertig gelesen und bei jedem Wort gedacht: „es kann nur besser werden“. Ich habe mich geirrt. Fazit: das Buch ist perfekt für alle Eltern/Freunde/Kollegen o.ä. deren Lieben nach Italien ziehen wollen und die Material brauchen um es ihnen madig zu machen. Wer dagegen Italien liebt, der sollte einen weiten Bogen um dieses Buch machen. Italiener und Fiat-Mitarbeiter sollten vor der Lektüre dieses Buchs zum Arzt gehen und sich auf etwaige Herzrhythmusstörungen o.ä. untersuchen lassen.
Was ich mir nicht verkneifen kann zu sagen: wenn ich auf die letzten 14 Jahre Deutschland zurückblicke dann könnte ich wohl auch ein Buch mit allen negativen Erlebnissen füllen, ich würde nur nie auf die Idee kommen, denn ich liebe Deutschland.
Ich gebe 🥂, aber auch nur, weil meine Skala bei eins anfängt.

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