Accabadora – Michela Murgia

Ich habe angefangen ‚Accabadora‘ zu lesen als ich in einem Caffé saß und wurde sofort von einer Frau angesprochen. „Genial, aber schrecklich“ waren ihre Worte, während sie auf mein Buch zeigte. Schon wenige Minuten später wurde mir klar, dass ich diese Meinung teilen würde. Die sechsjährige Maria wird …ja was? Weggegeben? Abgeschoben? Verschenkt? Ich kann kein treffendes Wort finden. Wer nur den deutschen Wohlfahrtsstaat kennt, kann nicht nachvollziehen, dass es unmöglich sein kann, ein Kind zu ernähren. In jedem Fall zieht Maria zu Bonaria Urrai. Schnell wird deutlich, dass sie sich der Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit ihrer Ursprungsfamilie nicht völlig entziehen kann, die Begegnungen rühren zu Tränen.
Michela Murgia beschreibt auf rationale Art die Geschehnisse um Bonaria und die Menschen, auf die diese in ihrem sardischen Dorf in den 50er Jahren trifft, so dass das Fehlen von ‚erwünschten‘ Emotionen mir beim Lesen sehr viel Raum für eigenes Mitleid, eigenen Schrecken und Verzweiflung gelassen haben. Ich kann nur empfehlen, das Buch zeitgleich mit jemand zu lesen, mit dem man sich austauschen kann.
Bis zur letzten Seite hast mich dieses Buch nicht losgelassen, so dass ich es gestern Nacht direkt fertig lesen musste. Deswegen lann es von mir nur eine Bewertung geben: 🥂🥂🥂🥂🥂

Schreibe einen Kommentar